Midlife – Chance oder ewige Mühe?

Das Leben in der zweiten Lebenshälfte bietet viele Möglichkeiten. Aber nicht für jeden und auch nicht überall auf der Welt. So wurde durch die aktuelle Diskussion in Russland um eine Verschiebung des Renteneintrittsalter erst deutlich, dass die Lebenserwartung keineswegs überall hoch ist. Dort arbeiten viele Menschen über 65 nicht aus Langeweile, sondern um das pure Überleben zu sichern. Das ist aber auch in unseren Breitengraden häufiger als viele glauben. So zeigt eine Untersuchung aus England, dass immer häufiger davon ausgegangen wird, noch mit 70 und älter zu arbeiten. Sicherlich auch aus sozialen Motiven. Aber sehr häufig steht die eigene Existenzsicherung im Vordergrund. Das ist eigentlich nicht wirklich neu.

„Das Alter“ wird für eine Gesellschaft immer dann zu einem Problem, wenn es sich nicht selbst versorgt. Daher muss man aufpassen, dass keine Schere in der 2. Lebenshälfte entsteht. Es ist gefährlich nur die Menschen in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit zu stellen, die fit und gesund wirken. Sie sind doch nur ein Teil der Bevölkerung, der in der Regel über mehr Bildung, Einkommen und Möglichkeiten verfügt. Die anderen werden auch älter, wenn auch mit vielleicht mehr Problemen. Wer diese übersieht, schürt nicht den Kampf zwischen Generationen, sondern innerhalb von Generationen. Es wird Zeit, dass wir das „gute“ Leben in der zweiten Lebenshälfte nicht länger nur mit Konsum, Reisen und ewiger Fitness gleichsetzen. Es sollte sich niemand schlecht fühlen müssen, der sein Leben bescheiden bestreitet und gerne mit anderen teilt. Zu anderen Zeiten schenkte man solchen Menschen in der zweiten Lebenshälfte höchste Achtung.