Zeiten ändern sich. Die Midlife-Crisis auch!

Die Mitte des Lebens ist für immer mehr Menschen durch die Veränderungen in der Zeit belastet. Was anfänglich ein vermeintlicher Gewinn an gesunden Lebensjahren war, wird heute zur Verpflichtung sich noch 15 bis 20 Jahre länger auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten.

War man zu Beginn der modernen Industrie so gnädig mit 70, später mit 67 den treuen Arbeitern eine Rente zu gewähren, so entstanden vor mehr als 30 Jahren Frühberentungswellen, wonach man bereits mit Anfang 50 reif für die Rente sein sollte.

Menschen werden heute wieder billiger!

Plötzlich wurde Leistungsfähigkeit mit 50+ geleugnet, um Mitarbeiter freiwillig und staatlich subventioniert loszuwerden. Heute hat sich die Erwerbsbiographie formell und informell in Deutschland wieder deutlich verlängert.

Das muss nicht schlecht sein, wie man in Schweden beobachten kann, braucht aber die richtigen Bedingungen. Und auch die Bereitschaft, sich mit der veränderten (Arbeits-)Welt auseinanderzusetzen und manche sicher geglaubte Privilegien aufzugeben. Real ist es schwerer geworden, ohne wiederholte Unterbrechungen und Wendepunkte in der Arbeits- und Familiensituation bis Mitte 60 zu kommen. In dem Sinn verfremdet sich die Bedeutung der Midlife-Crisis

War sie früher der Ausdruck des Überdruss einer gesicherten Position, der zu verrückten Hobbies und jugendhaftem Auftritt führte, bedeutet sie heute Veränderungsdruck und die Gefahr, eines unverhofften beruflichen Abstiegs. Die steigenden Zahlen der Erwerbstätigkeit nach der Berentung kündigen das Ende des goldenen Handschlags treuer und langjähriger Berufskarrieren an.

Heute kommt man also nicht in die Midlife-Crisis, weil sich zu wenig verändert, sondern zu viel. Dadurch wird die Fähigkeit, sich selbst zu verändern, nicht mehr als spät-pubertäres Verhalten von Midlifern gewertet. Sie wird vorausgesetzt, um mit den veränderten Erwartungen und Werten im hektischen Alltag umgehen zu können.

Da spricht sich das Wort Loslassen gelassen aus. Der späte Einstieg in ein neues Team kann einen plötzlich damit konfrontieren, dass man mit geringerem Status andere Werte und anderen Humor annehmen muss. Der Bonus ist dahin, wenn man mit 50+ in einer Position der Schwäche ist. Das erfordert wirklich Kompetenz, fast Weisheit.

Es lohnt sich, die Crisis neu zu denken!